Read95

FORSCHUNG

Die Forschung hinter 95%

Read95 beruht auf einem Ergebnis der Leseforschung: Man kann einem Text folgen, wenn man die meisten seiner Wörter schon kennt, und die unbekannten Wörter sind genau die, die man lernen kann. Diese Seite zeigt, was die Studien herausgefunden haben, wo sie sich widersprechen und was Read95 daraus macht.

Wie viel von einem Text muss man kennen?

Den Anteil der Wörter eines Textes, die ein Leser kennt, nennen Forscher „lexikalische Abdeckung“. Mehrere Studien haben gemessen, wie sich das Verstehen verändert, wenn diese Abdeckung sinkt.

Batia Laufer (1989) verglich die Verständnisergebnisse von Lernenden mit dem Anteil der Wörter, die sie im Text kannten, und stellte fest, dass eine Abdeckung von etwa 95% der Punkt war, ab dem ein angemessenes Verstehen wahrscheinlich wurde. Darunter scheiterten die Leser häufiger daran, den Text zu verstehen.

Marcella Hu und Paul Nation (2000) gingen mit Belletristik weiter. Sie ersetzten einige Wörter einer Kurzgeschichte durch erfundene, sodass die Leser denselben Text mit 80%, 90%, 95% oder 100% Abdeckung lasen. Bei 80% verstand ihn niemand ausreichend. Bei 95% gelang es einigen. Ihre Schätzung für das bequeme Lesen von Belletristik ohne Hilfe lag bei etwa 98%.

Laufer und Geke Ravenhorst-Kalovski (2010) brachten beide Zahlen zusammen, indem sie zwei Schwellen vorschlugen: 95% als Minimum für das Verstehen und 98% als Optimum.

Norbert Schmitt, Xiangying Jiang und William Grabe (2011) fanden überhaupt keine plötzliche Schwelle. In ihrer Studie stieg das Verstehen gleichmäßig mit der Abdeckung. Das ist eine nützliche Korrektur: 95% ist keine Mauer, sondern ein Punkt auf einem Anstieg, an dem die meisten Leser das meiste von dem verstehen, was sie lesen.

Warum 95% und nicht 98%?

Weil das Ziel ist, beim Lesen zu lernen, nicht nur zu verstehen. Bei 98% oder mehr ist das Lesen bequem, aber auf der Seite bleibt wenig zu lernen. Bei 80% gibt es viel zu lernen, aber zu wenig Zusammenhang, um herauszufinden, was es bedeutet.

Bei etwa 95% sind rund 5 von 100 Wörtern neu für Sie, ungleichmäßig über den Text verteilt. Die übrigen geben Ihnen genug Zusammenhang, um der Geschichte oder dem Gedankengang zu folgen und die neuen Wörter zu erraten, zu prüfen oder nachzuschlagen, ohne den Faden zu verlieren.

Wie man beim Lesen Wörter lernt

Viele Wörter lernt man beim Lesen, ohne sie zu lernen, indem man ihnen im Zusammenhang begegnet. Forscher nennen das beiläufiges Vokabellernen, und es geht langsam: Eine einzige Begegnung bringt einem selten ein Wort bei.

Rob Waring und Misako Takaki (2003) begleiteten Lernende beim Lesen eines Graded Readers. Wörter, denen sie nur wenige Male begegnet waren, wurden drei Monate später selten erinnert; häufiger gelesene Wörter blieben weit eher hängen.

Maria Pigada und Norbert Schmitt (2006) begleiteten einen Monat lang eine Lernende, die viel auf Französisch las. Ihr Wissen über die Wörter wuchs bei Schreibung, Bedeutung und grammatischem Gebrauch, und die Zuwächse waren bei häufiger gelesenen Wörtern größer.

Übersichtsarbeiten zum extensiven Lesen, also dazu, viel Text auf einem bequemen Niveau zu lesen, kommen zu einem ähnlichen Schluss. Richard Day und Julian Bamford (1998) und später Paul Nation und Rob Waring (2020) beschreiben Zuwächse bei Wortschatz, Lesetempo und Verstehen, vorausgesetzt, die Lernenden lesen sehr viel Text, den sie verstehen.

Die Menge zählt, weil das Ziel groß ist. Nation (2006) schätzte, dass man für das Lesen eines breiten Spektrums geschriebenen Englischs mit 98% Abdeckung etwa 8.000 bis 9.000 Wortfamilien kennen muss, wobei eine Wortfamilie ein Wort mit seinen Formen und nahen Verwandten ist.

Warum nachgeschlagene Wörter zurückkommen

Erst das Wiedersehen festigt ein Wort im Gedächtnis, und auch der Zeitpunkt zählt. Eine Auswertung von Hunderten Experimenten durch Nicholas Cepeda und Kollegen (2006) ergab, dass über die Zeit verteiltes Üben besser behalten wird als dasselbe Üben auf einmal.

Was Read95 daraus macht

Die oben genannten Studien haben Leser unter ihren eigenen Bedingungen gemessen, nicht mit Read95. Was sie Read95 geben, sind ein Ziel und eine Richtung: den Text verständlich halten, einen kleinen Teil davon neu halten und dafür sorgen, dass neue Wörter wiederkommen.

REFERENCES

Cepeda, N. J., Pashler, H., Vul, E., Wixted, J. T., and Rohrer, D. (2006). Distributed practice in verbal recall tasks: A review and quantitative synthesis. Psychological Bulletin 132(3), 354–380.

Day, R. R., and Bamford, J. (1998). Extensive Reading in the Second Language Classroom. Cambridge University Press.

Hu, M., and Nation, P. (2000). Unknown vocabulary density and reading comprehension. Reading in a Foreign Language 13(1), 403–430.

Laufer, B. (1989). What percentage of text lexis is essential for comprehension? In C. Laurén and M. Nordman (Eds.), Special language: From humans thinking to thinking machines, 316–323. Multilingual Matters.

Laufer, B., and Ravenhorst-Kalovski, G. C. (2010). Lexical threshold revisited: Lexical text coverage, learners' vocabulary size and reading comprehension. Reading in a Foreign Language 22(1), 15–30.

Nation, I. S. P. (2006). How large a vocabulary is needed for reading and listening? The Canadian Modern Language Review 63(1), 59–82.

Nation, P., and Waring, R. (2020). Teaching Extensive Reading in Another Language. Routledge.

Pigada, M., and Schmitt, N. (2006). Vocabulary acquisition from extensive reading: A case study. Reading in a Foreign Language 18(1), 1–28.

Schmitt, N., Jiang, X., and Grabe, W. (2011). The percentage of words known in a text and reading comprehension. The Modern Language Journal 95(1), 26–43.

Waring, R., and Takaki, M. (2003). At what rate do learners learn and retain new vocabulary from reading a graded reader? Reading in a Foreign Language 15(2), 130–163.